Textilsiegel im Vergleich: GOTS, OEKO-TEX und Grüner Knopf
- Rubrik
- Fair & Textil
- Veröffentlicht am
- 25. Juni 2026
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Ein Textiletikett trägt oft mehrere Kennzeichen nebeneinander. Sie beantworten aber unterschiedliche Fragen: die eine betrifft den Rohstoff, die andere die Schadstofffreiheit, die dritte die Sorgfaltspflicht des Unternehmens.
GOTS: Bio-Faser plus Sozial- und Umweltkriterien
Der Global Organic Textile Standard verlangt mindestens 70 Prozent zertifizierte Bio-Naturfasern, für die Kennzeichnung als organic sogar 95 Prozent. Er regelt zusätzlich die gesamte Verarbeitungskette: zulässige Farbstoffe und Hilfsmittel, Abwasserbehandlung und soziale Mindeststandards nach den Kernarbeitsnormen.
GOTS ist damit das umfassendste der drei Kennzeichen, deckt aber nur Textilien mit hohem Naturfaseranteil ab.
Ein Siegel für Schadstofffreiheit sagt nichts über die Menschen, die das Kleidungsstück genäht haben, und umgekehrt.
OEKO-TEX und Grüner Knopf: zwei sehr verschiedene Zwecke
Die Unterschiede lassen sich knapp fassen:
- OEKO-TEX STANDARD 100 prüft das fertige Produkt auf Schadstoffe, unabhängig vom Rohstoff;
- OEKO-TEX MADE IN GREEN ergänzt Anforderungen an Produktionsstätten und Rückverfolgbarkeit;
- der Grüne Knopf ist ein staatliches Meta-Siegel und prüft Produkt und Unternehmen;
- keines der drei bewertet die Haltbarkeit oder die Reparierbarkeit des Kleidungsstücks.
Vom Siegel zur Entscheidung
Siegel begrenzen Schäden, sie schaffen keinen Nutzen. Deutschland verbraucht rund 14 Kilogramm Textilien pro Kopf und Jahr, bei etwa 60 neu gekauften Stücken. Ein zertifiziertes Kleidungsstück, das nach zehn Wäschen im Container landet, verbessert diese Bilanz nicht.
Die wirksamere Reihenfolge lautet deshalb: seltener kaufen, auf Verarbeitung achten, Nähte und Materialstärke prüfen, und erst dann zwischen zertifizierten Alternativen entscheiden. Ein Blick auf die Naht innen und ein sanfter Zug am Stoff verraten binnen Sekunden mehr über die Lebensdauer als jedes Etikett.
Prüfen Sie zusätzlich, ob ein Siegel für das ganze Kleidungsstück gilt oder nur für einen Bestandteil. Manche Etiketten beziehen sich ausschließlich auf den Oberstoff, während Futter, Knöpfe und Nähgarn außerhalb der Zertifizierung bleiben.