Naturfasern und Kunstfasern: was die Materialangabe wirklich bedeutet
- Rubrik
- Fair & Textil
- Veröffentlicht am
- 16. Juli 2026
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Die Materialangabe im Kragen ist die ehrlichste Information an einem Kleidungsstück. Sie sagt, wie es sich waschen lässt, wie lange es hält und welche Ressourcen darin stecken. Vier Gruppen decken fast das gesamte Sortiment ab.
Pflanzliche und tierische Naturfasern
Baumwolle ist angenehm und langlebig, benötigt im konventionellen Anbau jedoch viel Wasser und Pflanzenschutzmittel. Bio-Baumwolle mit GOTS-Zertifizierung senkt beides deutlich. Leinen und Hanf wachsen mit erheblich weniger Wasser und ergeben besonders robuste Stoffe, die mit jeder Wäsche weicher werden.
Wolle wärmt auch feucht, reguliert Gerüche und muss selten gewaschen werden. Ein Tag Lüften ersetzt oft einen Waschgang, was die Bilanz über die Nutzungszeit stark verbessert.
Die ökologische Frage endet nicht beim Rohstoff. Eine Faser, die zehn Jahre getragen wird, schlägt jede Faser, die eine Saison überdauert.
Chemiefasern: aus Zellulose und aus Erdöl
Die zweite Hälfte des Regals teilt sich in zwei Familien:
- Viskose und Modal entstehen aus Holzzellulose in einem chemieintensiven Verfahren;
- Lyocell nutzt ein geschlossenes Lösungsmittelsystem und schneidet deutlich besser ab;
- Polyester, Polyamid und Acryl werden aus Erdöl hergestellt und geben Mikrofasern ab;
- Elasthan ab etwa fünf Prozent macht Textilien praktisch nicht mehr recycelbar.
Mischgewebe und Recycling
Mischungen verbinden Eigenschaften, erschweren aber die Verwertung. Sortieranlagen können Fasern bislang kaum trennen, weshalb Mischtextilien überwiegend in Downcycling oder Verbrennung enden.
Beim Kauf hilft eine einfache Faustregel: je weniger Fasern in der Liste, desto besser die Chance auf ein zweites Leben. Sortenreine Baumwolle, reine Wolle oder reines Polyester lassen sich technisch verwerten, ein Gewebe aus vier Komponenten praktisch nicht.
Bewahren Sie das eingenähte Pflegeetikett auf, auch wenn es kratzt. Es nennt Fasern, Waschtemperatur und Trocknungsart und ist bei einer späteren Reparatur oder Weitergabe die einzige verlässliche Quelle über das Material.